Friede im Irak

Die Verbreitung der Zivilisation

Ich weiß auch nicht, ob dies der richtige Zeitpunkt und Ort ist, um darauf zu sprechen zu kommen: Aber ein Freund, der mich immer wieder mit animierten Weihnachtsgrüßen, mathematischen Rätseln und anderem Lebensvertreib per E-Mail zu nerven pflegt, schickte mir neulich unten stehenden Witz. Und da ja bei uns - noch - jeder selbst dafür verantwortlich ist, was er liest oder nicht liest - there it is.

Neuer Weltherrscher

Auf einer Propaganda-Tour durch die USA besucht Präsident George Bush eine Schule und erklärt dort den Schülern seine Regierungspolitik. Danach bittet er die Kinder, Fragen zu stellen. Der kleine Bob ergreift das Wort:
Herr Präsident, ich habe drei Fragen:
1. Wie haben Sie, obwohl Sie bei der Stimmenauszählung verloren haben, die Wahl trotzdem gewonnen?
2. Warum wollen Sie den Irak ohne Grund angreifen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Anschlag aller Zeiten war?

In diesem Moment läutet die Pausenklingel und alle Schüler laufen aus dem Klassenzimmer. Als sie von der Pause zurückkommen, lädt Präsident Bush erneut ein, Fragen zu stellen, und diesmal ergreift Joey das Wort:

Herr Präsident, ich habe fünf Fragen:
1. Wie haben Sie, obwohl Sie bei der Stimmenauszählung verloren haben, die Wahl trotzdem gewonnen?
2. Warum wollen Sie den Irak ohne Grund angreifen?
3. Denken Sie nicht, dass die Bombe auf Hiroshima der größte terroristische Angriff aller Zeiten war?
4. Warum hat die Pausenklingel heute 20 Minuten früher geklingelt?
5. Wo ist Bob???


2. 4. 2003: Das amerikanische Militär räumt ein, Streubomben eingesetzt zu haben.


Nein, ich bin nicht für den Krieg gegen den Irak. Aber bin ich wirklich dagegen? Inzwischen ja - der Sündenfall der USA hat sich vollendet. Gegen Saddam Hussein auf jeden Fall, und gegen einen Krieg, den außer Busch kaum jemand für wirklich notwendig hält - jedenfalls jetzt. Aber kann ich z. B. dafür sein, dass da die Amerikaner aufmarschieren, ohne in Kauf zu nehmen, dass sie dann auch führen wollen, wozu sie rüsteten? Irgendwie war ja von Anfang an klar, dass die nur da hin gehen, damit es sich auch lohnt. Bin ich aber dagegen, dass irgend jemand diese "Drohkulisse" errichtet hätte? Hätte man ohne die irgendwelche Aussichten gehabt, etwas zu erreichen? Bin ich denn, kann ich denn in einem pazifistischen Sinne "gegen den Krieg" sein, wenn ich doch will, dass da jemand Gewalt androht?


Bleiben Sie dran - ich halte weiterhin die Kamera aus dem Fenster meines Hotelzimmers im 15. Stock - boah eay, das war wieder ein Einschlag im Palast. Die Amerikaner haben auch versprochen, dass in der Werbepause keine Bomben fallen.

"Eine Frage noch zum Abschluß: Haben Sie keine Angst vor einem Treffer?"
"Nein - wieso. Das wäre doch blöde, dann gäb's ja keine Live-Bilder mehr und keine Berichte - die Amis wissen doch, wo wir sind."
"Dann bleibt nur, Ihnen zu wünschen, dass sich das Pentagon dabei nicht auf CIA-Informationen stützt!"

In den längeren Angriffspausen bringen wir "Verbotene Liebe" und "Marienhof" sowie ein Fliege-Spezial.

Morgen um 19.30h: Saddams restliche Paläste werden von 300 Cruise Missiles zu Staub gebombt. Und anschließend Saddam Hussein bei Kerner: Warum ich nicht aufgebe.

Korrespondent aus Bagdader-Hotel
'Livekamera' aus Bagdad - CNN (vom ZDF übernommen)

Es wurden andere Szenarios diskutiert - Blauhelme z. B., die einmarschieren sollten - aber wieder fallengelassen. Und es wurde das, was bisher versucht wurde, nicht zu Ende gebracht. Das erbittert mich.

Neulich diskutierte ich mit einem anderen Freund, dessen Vater von den Nazis ermordet wurde, darüber, und über die Frage, inwieweit ein Volk sich selbst von einem Dikator befreien könne, und fragte ihn schließlich: "Hast Du denn einen Vorschlag, was man jetzt tun sollte in Bezug auf Saddam Hussein?" Er sagte nach einigem Zögern mit ernstem Gesichtsausdruck: "Ich weiß es auch nicht. Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muß."

Moral ist für die Katz

Einer Katze kann man offenbar keine Moral beibringen. Sie weiß zwar genau, dass sie gewisse Dinge nicht darf - sie lernt das - aber sie bleibt unbeirrbar der Auffassung, dass dies nur gilt, wenn sie von jemand, der ihr überlegen ist und sie dafür bestrafen würde, beobachtet wird. Wird sie ertappt, ergreift sie zwar schuldbewußt die Flucht, aber anscheinend nur als Vermeidungsreaktion - beim nächstenmal probiert sie es wieder, rennt blitzschnell in das Zimmer, das sie nicht betreten soll - weil sie weiß, dass sie verjagt wird, wenn sie bemerkt wird. Ganz wie Saddam Hussein ...

Mit Hunden kenne ich mich nicht so aus - möglicherweise neigen die eher zu einer Demutshaltung und betteln gewissermaßen um Verzeihung bzw. suchen durch Unterwerfung zu besänftigen. Halten Hunde Verbote ein, wenn sie sich unbeobachtet glauben?

Und wie ist es beim Menschen? In aller erster Linie bestimmt auch die Umgebung die "Moral". Amerikanische Soldaten sind ggf. (Vietnam) genauso grausam und unmenschlich wie deutsche KZ-Aufseher. Ist es nicht eher die "deutsche Situation" als die deutsche Mentalität, die das Nazireich möglich machte? Offenbar neigt der Mensch wie ein Hund zum Untertanentum* - gleichzeitig aber auch zum Ausleben niederer Beweggründe, wenn er glaubt, dass dies von der Umgebung toleriert wird.

* Weshalb ich den militärischen Drill ja so abgrundtief verachte und ablehne. Aber wenn man z. B. konzediert, dass gegen Diktatoren im letzten Fall vielleicht nur militärische Gegenmacht hilft (ich rede nicht vom jetzigen Krieg - nehmen wir eher den Fall des vorigen Golf-Krieges) - was taugt ein Soldat, der eigenmächtig bei jedem ihm erteilen Befehl entscheidet, ob er den ausführen will oder darf? Tja! Er müßte es tun - aber würden dann Kriege funktionieren? Wahrscheinlich nicht - nur ist das Problem: Saddams Häscher tun dies auch nicht - und Hitlers Deutsche ebenso wenig. Daher konnte Hitler nur von außen beseitigt werden - und Saddam?

Und die USA? Die Welt schaut zwar zu, was zu gewissen heuchlerischen Beteuerungen führt, aber da man nicht glaubt, dass die, die da zuschauen, einem ernsthaft was könnten, macht man einfach, was man machen möchte - oder was "intern" als göttlicher Auftrag ausgegeben und sanktioniert wird.

Es ist spannend, zu sehen, was sich heute in der "Weltöffentlichkeit" in Form von Protesten und Demonstrationen abspielt. Aber doch: Die Amerikaner - wie die Briten - stellen sich plötzlich in größerer Mehrheit "hinter ihre Führung", nachdem das grausame Spiel losgegangen ist. Warum? Und wirklich in den Weg gestellt hat sich der Bush-Administration auch das eigene Volk nicht - andere Ländern sowieso nicht, nicht über papierene und rhethorische Proteste hinaus.



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